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In der gesamten EU werden PETA und PETAs europäischen Partnerorganisationen von Millionen tierlieber, engagierter Menschen unterstützt. Wir haben weitreichenden Einfluss auf Tierschützer/-innen, Wissenschaftler/-innen und Regulierungsbehörden. Im Folgenden findet Sie Informationen für Tierschutzorganisationen und politische Entscheidungsträger/-innen, die sich hoffentlich mit uns zusammen für eine wirksame und humane Wissenschaft einsetzen.

REACH: Die Verordnung für die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals)

Im Jahr 2006 führte die EU ein Gesetz zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien (REACH) ein. Ziel der Verordnung war es, den Schutz der menschlichen Gesundheit sowie der Umwelt sicherzustellen und tierfreie Testverfahren zu fördern. Unternehmen müssen demnach für fast jede in Europa eingesetzte Chemikalie Informationen über gesundheitliche Auswirkungen und Umweltgefahren liefern. Sollten die nötigen Daten nicht bereits vorliegen, verlangt REACH häufig die Durchführung neuer Tierversuche.

In Hinblick auf die zweite Bewertung der Verordnung vom 8. März 2018 – die REACH-REFIT-Evaluierung – möchten wir an dieser Stelle drei Hauptpunkte darlegen und erläutern, welche Schritte möglich sind.

Hauptakteure:

  • Europäische Kommission
  • Europäische Chemikalienagentur (ECHA)
  • nationale Behörden

Verordnung und Versuche

Auf Grundlage offizieller Berichte schätzt PETA, dass bis 2016 schon über eine Million Tiere in Versuchen eingesetzt wurden, um die von REACH geforderten Daten zu liefern. Für die Mehrheit aller Chemikalien stand zu diesem Zeitpunkt die Registrierung noch aus. Die Versuche umfassten etwa schmerzhafte Haut- und Augentests, bei denen die Tiere großem Leid ausgesetzt waren, bevor man sie schließlich tötete. Und das, obwohl bereits verlässliche tierfreie Testmethoden zur Verfügung stehen.

Unternehmen, die Chemikalien nur in kleinen Mengen Chemikalienmengen herstellen oder importieren (1 bis 100 Tonnen pro Jahr), müssen ihre Substanzen bis zum 31. Mai 2018 registrieren. Die ECHA schätzt, dass in diesem Zuge bis zu 25.000 Substanzen registriert werden. Das ist dreimal mehr als bei den vorherigen Stichtagen in den Jahren 2010 und 2013. Und das wiederum bedeutet, dass bis dahin aller Voraussicht nach Millionen von Tieren leiden und sterben mussten.

rats in inhalation tubes

Um neue Tierversuche zu minimieren, umfasst REACH eine Reihe spezifischer Maßnahmen und allgemeiner Regelungen hinsichtlich der Vorgabe, dass Tierversuche nur als letztes Mittel angewandt werden sollen.

Alle unter REACH in den Mitgliedstaaten durchgeführten Tierversuche müssen entsprechend der EU-Richtlinie 2010/63/EU durchgeführt werden. Diese befasst sich mit dem Schutz von Tieren, die zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt werden, und besagt, dass keine Tierversuche durchgeführt werden sollen, wenn die Ergebnisse auch durch andere fundierte wissenschaftlich fundierte Methoden erlangt werden können.

Die Mitgliedstaaten, die ECHA sowie die Europäische Kommission müssen sich aktiv für die Förderung tierfreier Methoden einsetzen, um vermeidbare Tierversuche zu verhindern.

Tierfreie Alternativmethoden

  • Evidenzbasierte Bewertung (Weight of Evidence)
  • Übertragung (Read-Across)
  • Tierfreie Laborversuche
  • Computermodelle

WAS TUN? – Fordern Sie t die zuständigen nationalen Behörden auf, tierfreie Methoden zu fördern.

Bitte kontaktieren Sie in Ihren Ländern die zuständigen Behörden und finden Sie heraus, wie sie sicherstellen, dass Tierversuche nur als letztes Mittel eingesetzt werden und wann immer möglich auf Alternativmethoden zurückgegriffen wird. Nationale Ansprechpartner für REACH finden Sie hier und für die EU-Richtlinie 2010/63/EU hier.

Durchsetzung der Forderung nach Tierversuchen als „letztes Mittel“

rabbit behind bars

Berichte der ECHA zur Nutzung von Alternativmethoden zum Tierversuch für die REACH-Verordnung aus den Jahren 2011, 2014 und 2017 untermauern unsere Bedenken, dass Tierversuche nach wie vor ohne vorherige Durchführung der relevanten In-vitro-Tests angewandt und vermeidbare Tierversuche trotz existierender tierfreier Methoden durchgeführt werden.

Die Ansätze zur Durchsetzung von REACH sind in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich. Die Forderung, Tierversuche nur als „letztes Mittel“ einzusetzen, wird nicht als Priorität zur Durchsetzung behandelt. Dieser Mangel an Abstimmung ist besorgniserregend – nicht nur, weil eines der Ziele von REACH die Förderung von Alternativmethoden zur Gefahrenbewertung ist, sondern auch, weil die Europäische Bürgerbeauftragte nach Beschwerde von PETA angab, es läge in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, bei der Nichteinhaltung der REACH-Vorgaben zu ermitteln und Sanktionen zu verhängen.

Die Mitgliedstaaten müssen angemessene, effektive Strafen durchsetzen, die Unternehmen davon abhalten, die Weisung des „letzten Mittels“ zu brechen. Die Registranten lediglich daran zu erinnern, dass sie ihre REACH-Verpflichtungen zu erfüllen haben, genügt nicht. Und geltendes Recht einfach zu ignorieren, ist keine akzeptable Entschuldigung.

BEWEISE: Dem Vorwurf vermeidbarer Tierversuche wurde nicht nachgegangen

Die ECHA informierte die nationalen Vollzugsbehörden über 121 Fälle, in denen vor der Durchführung einer tierbasierten Studie potenziell kein Testantrag eingereicht wurde, wie es eigentlich erforderlich ist. Dennoch erhielt die Agentur von weniger als der Hälfte der kontaktierten Mitgliedstaaten diesbezüglich eine Rückmeldung. Ein Fall der Nichteinhaltung wurde bestätigt, ein weiterer hätte möglicherweise zu Durchsetzungsmaßnahmen geführt, wäre nicht schon vorher der Zeitrahmen zum Anstoß eines Verfahrens abgelaufen gewesen. Leider besagt der Bericht, dass die deutschen Bundesgesetze Sanktionen bezüglich dieser speziellen Verstöße nicht zulassen.

WAS TUN? – Stellen Sie sicher, dass die Mitgliedstaaten bei Verstößen gegen die REACH-Vorgaben bezüglich Tierversuchen angemessene Strafen verhängen.

Erwägungsgrund 122 der REACH-Verordnung besagt: „Um bei der Durchführung dieser Verordnung durch die Mitgliedstaaten Transparenz, Unparteilichkeit und Einheitlichkeit zu gewährleisten, ist es erforderlich, dass die Mitgliedstaaten ein geeignetes Sanktionssystem schaffen, in dessen Rahmen wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen für Verstöße verhängt werden können, da Verstöße einen Schaden für die menschliche Gesundheit und die Umwelt nach sich ziehen können.“ Bitte kontaktieren Sie die Vollzugsbehörden für REACH und Richtlinie 2010/63/EU in Ihrem Land und fordern Sie sie auf, bei möglichen Verstößen gegen die Weisung zum „letzten Mittel“ hinreichend zu ermitteln und geeignete Strafen zu verhängen.

Die REACH-REFIT-Evaluierung

Die REACH-Verordnung legt fest, dass alle fünf Jahre eine Überprüfung stattfinden soll, um Fortschritte zur Zielerreichung zu bewerten. Ziel der Überprüfung ist es – in Kombination mit der Tauglichkeitsprüfung der relevantesten Gesetzgebung zu Chemikalien –, Informationen bereitzustellen, die nötige Anpassungen identifizieren und Empfehlungen für eine verbesserte Umsetzung der Verordnung darlegen. Hier finden Sie einen Link zur REACH-REFIT-Evaluierung.

Leider hat die Europäische Kommission diese Möglichkeit bisher nicht genutzt, mit der Europa weltweit führend im Bereich der progressiven und innovativen Wissenschaft werden könnte, indem grausame Tierversuche beendet und stattdessen hochmoderne tierfreie Testmethoden anerkannt würden. Sowohl der REFIT-Bericht als auch das begleitende Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen erwähnen eine Reihe an Defiziten bezüglich der Vermeidung von Tierversuchen. Doch konkrete Aktionen, um diese Punkte anzugehen, werden nicht vorgeschlagen. Zudem wurden zum Wert tierfreier Daten unbegründete Zweifel erhoben und es wurden falsche Schlüsse aus einer Entscheidung der Europäischen Bürgerbeauftragten zu Tests für kosmetische Inhaltsstoffe gezogen. Die Bürgerbeauftragte stimmt nicht mit der Kommission darüber überein, dass kosmetische Inhaltsstoffe zu REACH-Zwecken getestet werden können, sondern behielt sich ein Urteil in der Angelegenheit vor.

Um weitere Einzelheiten zum REACH-REFIT-Bericht zu besprechen, treten Sie bitte mit uns in Kontakt. Unsere wissenschaftlichen Berater/-innen stehen Ihnen für Meetings zur Verfügung.

Im Zuge des Konsultationsprozesses der Interessensvertreter brachte das PETA International Science Consortium Ltd. einige Bedenken zum Ausdruck bezüglich der Praxis der ECHA, willkürlichen Stichtagen mehr Gewicht einzuräumen als Tierleben, die Zurückhaltung der ECHA bei der Anerkennung tierfreier Testmethoden und der unverhältnismäßigen Forderung nach Tests für kosmetische Inhaltsstoffe. Das Positionspapier des Konsortiums mit allen Verbesserungsvorschlägen können Sie hier einsehen.

Über 100.000 Menschen fordern: Europa soll Vorbild in Sachen tierfreier Wissenschaft sein

Mehr als 100.000 mitfühlende Unterstützer/-innen von PETA und internationalen Partnerorganisationen unterschrieben einen offenen Brief an die Kommission und die ECHA, nachdem sie von der REACH-REFIT-EvaluierungBewertung gehört hatten. Sie fordern darin, Europa solle durch die Beendigung grausamer Tierversuche und den Einsatz hochmoderner tierfreier Forschungsmethoden weltweit führend im Bereich progressiver und innovativer Wissenschaft werden. Der offene Brief wurde zur Prüfung beim Petitionskomitee des Europäischen Parlaments eingereicht (Petition Nr. 0947/2017). Den Brief sowie Details zu unserer Petition finden Sie hier.

WAS TUN? – Fordern Sie die Umsetzung von REACH, damit Europa durch die Beendigung grausamer Tierversuche und die Priorisierung hochmoderner tierfreier Forschungsmethoden zum weltweiten Vorbild wird.

PETA teilt die Ansicht, dass sichergestellt werden muss, dass die Chemikalien, denen wir täglich ausgesetzt sind, weder unserer Gesundheit noch der Umwelt schaden. Doch solange sich REACH dabei noch auf Tierversuche verlässt, werden wir dieses Ziel niemals erreichen können. Zahlreiche fortschrittliche Forscher/-innen und Regulierungsbehörden aus der ganzen Welt sind sich einig, dass Tierversuche nicht nur unethisch sind, sondern auch schlichtweg nicht funktionieren. Einige Schritte wurden unter REACH bereits unternommen, um nutzlose und gedoppelte Versuche zu verhindern. Doch klar ist, dass noch immer vermeidbare Tests durchgeführt werden. Wir müssen deshalb unbedingt sicherstellen, dass wir jede Gelegenheit nutzen, die uns REACH bietet, um Tierversuche zu verhindern.

Schlussendlich muss Europa den Übergang zu einer Chemikaliengesetzgebung schaffen, die sich auf tierfreie Toxizitätstests verlässt, wie sie dem 21. Jahrhundert angemessen sind. Dies wird nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Chemiebranche verbessern, sondern auch dafür sorgen, dass die menschliche Gesundheit und die Umwelt besser geschützt werden und weniger Tiere leiden.

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